2. Februar 2026
Es ist kein Witz, wenn der Präsident des noch mächtigsten Landes der Welt und der schlagkräftigsten Militärmacht Lügen verbreitet und politisch in der Vergangenheit verharrt. Wissenschaftliche Analysen zum Klimawandel sind für ihn, bei der orwelschen Umkehr von Begriffen, Lügenpropaganda. In China habe er »keine Windparks finden können«, behauptete Donald Trump auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.
„China stellt fast alle Windmühlen her, und trotzdem habe ich noch keinen einzigen Windpark in China gefunden. Hast du das schon mal bedacht? Das ist eine gute Sichtweise. Sie sind clever. China ist sehr clever. Sie stellen die Windmühlen her. Sie verkaufen sie für ein Vermögen. Sie verkaufen sie an Leute, die sie kaufen, aber selbst nutzen sie sie nicht. Sie haben ein paar große Windparks gebaut. Aber sie nutzen sie nicht. Sie stellen sie nur auf, um den Leuten zu zeigen, wie sie aussehen könnten. Sie investieren nicht.“ Donald Trump hat Länder, die Windräder kaufen, als „dumm“ bezeichnet.
Hinter seiner Großmachtpolitik steht ein Krieg, der noch ohne Waffen ausgetragen wird, ein Krieg gegen China, gegen die Welt. Es kann in seinen Augen für das gottgegebene erste Land auf der Erde, die Vereinigten Staaten von Amerika, nicht sein, dass sich jetzt ausgerechnet China wirtschaftlich und technologisch an die Spitze vorarbeitet. Das Entwicklungskonzept Chinas ist in vielen Punkten das Gegenteil seines Politikansatzes. China ist wissenschaftsgläubig. Es hat eine langfristig und breit angelegte Strategie. China hat einen Industrieplan, der Westen hat keinen Plan. Und in dem Industrieplan Chinas sind Klimapolitik und technologiegetriebene Wirtschaftspolitik die zwei Seiten einer Medaille, die zur mehr Wohlstand für alle führt.
Umwelttechnik-Weltmeister China
Der Erfolg dieser Industriepläne zeigt sich bei der Elektromobilität. Der mit großem Abstand wichtigste Markt der Welt für E-Autos ist China. Fast neun Millionen neue E-Autos zählt „PwC Autofacts and Strategy“ im Jahr 2025 dort. Das Wachstum beziffert die Studie auf 33 Prozent, berichtet die „Automobil-Produktion“. Weltweit stieg der Absatz rein elektrisch angetriebener Autos ebenfalls. Insgesamt waren es rund 13,7 Millionen Pkw. Europa folgt China beim Absatz mit 2,6 Millionen batterieelektrischen Autos und einem Wachstum von 30 Prozent.
Doch Elektroautos sind nur dann weniger Umweltschädlich als Verbrenner, wenn sie auch mit grünem Strom angetrieben werden. Beim Ausbau neuer Anlagen ist die Dominanz noch deutlicher: Im Jahr 2025 entfielen etwa 70 bis 72 Prozent aller weltweit neu installierten Windkraftanlagen auf China.
Beim Ausbau neuer Anlagen ist die Dominanz noch deutlicher. 150 GW bis 170 GW an neuer Windkraftkapazität wurden nach vorläufigen Daten 935 weltweit installiert. Der Anstieg wurde hauptsächlich durch China vorangetrieben, dass allein über 100 GW an Onshore-Leistung zubaute. China installierte im vergangenen Jahr 365 Gigawatt Leistung an Solarenergie, der Bestand an Solaranlagen wuchs weltweit voraussichtlich um über 650 Gigawatt. Auch hier dürfte China mehr als die Hälfe des Solarausbaus realisiert haben. Hinzu kommt in China durch die gewaltigen Ausbaumengen: grüne Energie ist in China billige Energie.
China vermittelt Stärke, Verantwortungsbewusstsein und Vertrauen
Die beste Werbung für mehr Kooperationen mit China dürfte der amerikanische Präsident machen. China vermittelt der Welt in Davos Stärke und Vertrauen, so der Newsletter „chinapolitan“. Beim Weltwirtschaftsforum nutzte China die Bühne, um sich mit Vizepremier He Lifeng als ruhiger, berechenbarer Verfechter von Freihandel und Multilateralismus zu präsentieren. Im Kontrast zur konfrontativen US-Politik unter Donald Trump sollte Chinas Auftritt stabilisierend und anschlussfähig wirken, insbesondere für europäische Partner auf der Suche nach wirtschaftlicher Verlässlichkeit. In diesem Sinne kann das diesjährige Weltwirtschaftsforum für China durchaus als Erfolg bewertet werden; weniger durch konkrete Abschlüsse als durch den Eindruck, ein verantwortungsvoller Akteur der Weltwirtschaft sein zu wollen, folgert „chinapolitan“.
Drohungen gegen Kanada
Dies gilt nicht nur für Europa. Kanada und China haben sich auf die Beseitigung von Handelshemmnissen verständigt und Zollsenkungen vereinbart. Das erklärte der kanadische Ministerpräsident Mark Carney im Januar bei einem Besuch in Peking. Kanada wird danach bis zu 49.000 chinesische Elektrofahrzeuge auf dem kanadischen Markt zulassen, die mit einem sogenannten Meistbegünstigungszoll von 6,1 Prozent belegt werden. Bis zum 1. März rechnet Kanada damit, dass China die Zölle auf kanadisches Raps-Saatgut auf einen Gesamtsatz von etwa 15 Prozent senken wird, so Carney.
Auf Nachfrage bezeichnete er das Verhältnis seines Landes zu China im Vergleich zu den USA als „berechenbarer“. Carney und der chinesische Staatschef Xi Jinping hatten zuvor angekündigt, eine neue strategische Partnerschaft eingehen zu wollen. Diese könne für beide Seiten „historische“ Gewinne bringen, so Carney. „Es ist wichtig, diese neue strategische Partnerschaft in einer Zeit der Spaltung zu beginnen.“
US-Präsident Trump reagierte umgehend und drohte Kanada mit Zöllen von 100 Prozent, wenn die Vereinbarungen mit China in Kraft treten würden. Zugleich verstärkte er de Unterstützung rechtsgerichteter separatistischen Gruppen in Kanada. Er scheint noch davon zu träumen, das Land als 51. Bundesstaat oder nach Grönland als 52. Bundestaat den USA einzuverleiben
EU muss globale Allianzen schmieden
Die EU versucht in diesem Umfeld neue globale Allianzen zu schmieden. Das noch vor Kurzem gefeierte EU-Mercosur-Abkommen liegt auf Eis. Der Europäische Gerichtshof wird das Abkommen nun auf seine Rechtmäßigkeit überprüfen. Das mit Indien geschlossene Freihandelsabkommen muss sich erst noch in der Praxis bewähren. Dabei sollte man sich nicht nur das Kleingedruckte ansehen, sondern auch die realen Bedingungen in Indien kennen. Unternehmen wie Volkswagen sind in Indien seit Jahrzehnten aktiv und verbrannten dort schon viele Millionen an Investitionen. Im gesamten Geschäftsjahr 2024/25 konnten die Wolfsburger dort lediglich 32.238 Fahrzeuge absetzen.
Neue Chinapolitik, neue internationale Kooperation notwendig
Doch die EU sieht, ähnlich wie Trump, diese neuen Allianzen eher als eine Abkehr von China. Andrew Puzder, Botschafter der Vereinigten Staaten bei der Europäischen Union, langjähriger Republikaner und Großspender der Wahlkampagne von Donald Trump, trat sein Amt offiziell im August an. Er habe erwartet, „mehr Überzeugungsarbeit“ leisten zu müssen, bevor EU-Vertreter China als „strategischen, politischen und wirtschaftlichen Gegner“ betrachteten.
Die EU lieferte dem US-Präsidenten in der Vergangenheit mit ihrer eher auf Gegnerschaft angelegten Chinapolitik einige Steilvorlagen. Doch nicht nur bei der Klima- oder der Forschungspolitik gibt es Bereiche, in denen wir und die ganze Welt von mehr Zusammenarbeit profitieren könnten.
Neue Freihandelsabkommen der EU sind wichtig, doch nicht als Alternative zu China. All diese Aktivitäten sollten in international abgestimmtem Rahmen eingebunden werden. Wir brauchen stärkere und bessere internationale Organisationen dringender denn je.
Die gegenwärtige amerikanische Politik möchte nicht nur Grönland übernehmen, sondern auch die EU zerschlagen. Viele kleine Länder könnten einfacher von den USA unter Druck gesetzt werden. Trumps Machtspiele gehen jedoch nicht auf, wenn der größte Teil der übrigen Welt sich seinen Drohungen geschlossen entgegenstellt. China ist dabei im Bereich der Wirtschaft oder bei Umweltthemen vielleicht der wichtigste Partner. Sicherlich gibt es auch mit China viele Probleme. Doch die können gelöst werde, im Dialog und auf Augenhöhe.
Deutsche Auslandsinvestitionen: China +50%, USA -45%
Der amerikanische Präsident redet gern davon, dass Länder ihre Schulden bei den USA zurückzahlen sollten, die USA ausgeplündert würden. Doch die Auslandsverschuldung der USA selbst liegt bei 9,4 Billionen US-Dollar. Auf die fiskalischen Aspekte und wann eine solche Finanzpolitik das internationale System zusammenbrechen lassen könnte, kann hier nicht ausführlich eingegangen werden. Dazu nur Zahlen zu Auslandsinvestitionen deutscher Unternehmen. Unternehmen müssen Gewinn machen und investieren dort, wo sie die Zukunft sehen.
Nach Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) sind vergangenes Jahr insgesamt mehr als sieben Milliarden Euro zusätzlich an Direktinvestitionen nach China geflossen. Das sei der höchste Wert seit 2021 und rund die Hälfte mehr als 2024. Er liege auch über dem längerfristigen Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2024 von sechs Milliarden Euro. Dagegen haben sich die Investitionen deutscher Unternehmen in den USA im ersten Jahr von Präsident Donald Trumps zweiter Amtszeit nahezu halbiert: Von Februar bis November 2025 brachen die Direktinvestitionen um 45 Prozent auf insgesamt rund 10,2 Milliarden Euro ein, wie aus einer anderen IW-Studie hervorgeht. Trump zeichnete jedoch in seiner faktenfreie Rede in Davos ein rosiges, gegenteiliges Bild der US-Wirtschaft. 18 Billionen US-Dollar seien seit Beginn seiner Amtszeit geflossen. Seine Zollpolitik führe dazu, das ausländische Investoren mit neuen Projekten im Weißen Haus Schlange stehen würden.
Chinesische Investitionen in Europa fördern
Doch auch zwischen Europa und China gibt es einiges zu klären. Ein großer Problempunkt bei den europäisch-chinesischen Handelsbeziehungen bleibt der gewaltige Außenhandelsüberschuss Chinas. Dies könnte einfach abgeschwächt werden, wenn chinesische Firmen hier mehr investieren und dadurch Arbeitsplätze schaffen, Technologie transformieren und hierzulande Steuern zahlen. Doch die EU begegnet dem mit unsinnigen Auflagen, überbordender Bürokratie und wenig Sachverstand. Eine richtige Willkommenskultur für chinesische Autobauer oder Umwelttechnik-Firmen herrscht bei uns nicht.
Jüngste Beispiele sind die wieder aufflammenden Diskussionen, dass chinesische Smart Cars hierzulande ein Sicherheitsrisiko seien und verboten gehörten. Doch ist ein Tesla potenziell weniger gefährlich? Und haben nicht auch amerikanische Konzerne wie Google, die in Europa nicht nur, aber auch, in Smart Cars Daten sammeln, nicht sehr enge Beziehungen zu dem unberechenbaren amerikanischen Präsidenten?
Datensicherheit ist jedoch weniger ein US-amerikanisches, chinesisches und europäisches Problem. Es ist ein technisches und regulatorisches Problem. Die Politik kann dies lösen, lösen im Dialog mit der Industrie. Eine smarte, KI-gesteuerte Welt ist im Entstehen. Dafür bedarf es vernünftige, menschenfreundliche internationale Regeln mit wirtschaftlichem und technologischem Sachverstand.
Links
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