1. April 2026
Jahrzehnte lang war China für Mercedes-Benz der Gewinnbringer und für viele Chinesen das Symbol eines Luxusautos. Taxifahrer in China beantworteten unisono die Frage, welches Auto sie am liebsten fahren würden, mit „Be Ze“ und die Augen begangen zu leuchten.
Der chinesische Markt hatte gewaltige Zukunftsraten, daher baute Mercedes-Benz vor Ort eine Produktion auf. Mercedes-Benz produziert seine Fahrzeuge in China über das Joint Venture Beijing Benz Automotive Co., Ltd. (BBAC) 北京奔驰汽车有限公司 offiziell seit 2005/2006 Pkw und seit 2013 Motoren. Das erste gemeinsame Werk in Peking wurde 2006 eingeweiht. BBAC ist ein wichtiger Bestandteil des globalen Produktionsnetzwerks von Mercedes-Benz und beschäftigt etwa 11.000 Mitarbeiter
Mercedes-Benz und BAIC haben auch gemeinsam eine lokale Batterieproduktion am bestehenden Standort im Industriepark Yizhuang in Peking (China) aufgebaut. Seit 2019 beliefert das Unternehmen das nahegelegene Fahrzeugwerk mit Batteriesystemen für alle EQ-Modelle. Seit 2020 wird auch im zweiten Werk im Pekinger Stadtbezirk Shunyi produziert.
Produktionswerke & Joint Ventures:
- BBAC (Beijing Benz Automotive Co., Ltd.): Haupt-Joint-Venture mit BAIC. Produziert Mercedes-Benz Pkw und Motoren in Peking.
- Fujian Benz Automotive (FBAC): Produziert Vans (Vito, V-Klasse) in Fuzhou.
- Daimler Truck/Foton: Joint Venture für schwere Lkw (Auman).
Vorläuferwerk erstes Joint Venture mit ausländischen Autobauer
Zuvor gab es bereits Kooperationen durch die Beijing Jeep Corporation, die bis ins Jahr 1987 zurückreichen (Chrysler/Daimler-Benz) und weniger erfolgreiche Projekte mit FAW. Doch die Geschichte reicht noch weiter zurück. Das Unternehmen wurde ursprünglich im Januar 1984 als Joint Venture zwischen BAIC Motor aus Peking, China, und der American Motors Corporation (AMC) aus Michigan, USA, gegründet und trug daher den Namen Beijing Jeep Corporation (北京吉普汽车有限公司). Es war das erste chinesische Automobil-Joint-Venture mit einem westlichen Partner. Das Joint Venture blieb von der Übernahme von AMC durch Chrysler im Jahr 1987, der Fusion von Chrysler mit dem deutschen Automobilhersteller Daimler-Benz AG im Jahr 1998 und dem Verkauf der Chrysler-Sparte der DaimlerChrysler Corporation an Cerberus im Jahr 2007 unberührt. Während der kurzlebigen Partnerschaft von Chrysler mit der Daimler AG, dem Hersteller von Mercedes-Benz, wurde die Produktion bei Beijing Jeep um Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz erweitert.
Chinesische Investoren halten fast 20 Prozent der Mercedes-Aktien
Auch finanziell ist Mercedes eng mit China verflochten. Die BAIC Group: Mit 9,98 Prozent der Stimmrechte ist der staatliche Konzern der größte Einzelaktionär. Li Shufu (Geely): Der Gründer von Geely hält über ein Investmentvehikel rund 9,69 Prozent der Anteile. Überlegungen zu einer Nutzung der Geely-Elektroplattform (GEEA-4.0) werden diskutiert.
Smart: Made in China
Smart gehört zu je 50 Prozent der Mercedes-Benz Group AG und der chinesischen Zhejiang Geely Holding Group. Die beiden Unternehmen gründeten ein Joint Venture (smart Automobile Co., Ltd.), das die Marke als rein elektrische Premium-Marke weiterentwickelt. Das Design kommt von Mercedes, die Produktion und Technik aus China. Mercedes-Benz bringt Design, Qualität und Marken-DNA ein, Geely steuert Produktion und Technologie bei. Die Fahrzeuge werden in China gefertigt. Die EU-Zölle belasten jedoch die Exporte nach Europa.
Mercedes nutzt zudem für kommende Hybrid-Modelle Motoren, die gemeinsam mit Geely entwickelt und in China gefertigt werden. Auch die Nutzung der Geely- Produktionsplattformen durch Merdes ist lauf verschiedener Medienberichte im Gespräch.
Neue Strategie erforderlich
Doch auch Mercedes-Benz hat jetzt in China mit Ansatzeinbrüchen und sinkenden Gewinnen zu kämpfen. Eine neue Strategie „In China für China“ und die beschleunigte Entwicklung von Elektrofahrzeugen soll helfen das Steuerrad herumzureisen. Dabei kann Mercedes-Benz nicht nur aus seine langjährige Chinaerfahrung, sondern auch auf ein Netzwerk von Unternehmen zurückgreifen.
Anteil der Elektrofahrzeuge an den Verkäufen lediglich bei 3,62 Prozent
Lokale Marken wie BYD, Nio und Xpeng setzen Mercedes vor allem bei Elektroautos durch schnellere Innovationen und aggressivere Preise unter Druck. Doch bei dieser Zukunftstechnologie geriet Mercedes-Benz in Rückstand. Im Jahr 2025 verkaufte Mercedes weltweit 359,100 Elektromobile, ein Rückgang von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In China wurden 20,000 Fahrzeuge verkauft, ein Rückgang von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Zahl macht nur 3,62 Prozent der Gesamtverkaufszahlen von Mercedes in China aus, berichtet „36kr.com“.
Laut den Daten der China Passenger Car Association belief sich die Retail-Penetrationsrate von Elektromobilen im gesamten Pkw-Markt im Dezember 2025 auf 59,1 Prozent. Die Penetrationsrate von Elektromobilen bei den chinesischen Marken belief sich auf 80,9 Prozent, bei den Luxusmarken auf 39,1 Prozent und bei den Haupt-Joint-Venture-Marken jedoch auf nur 8,2 Prozent. Der Anteil der Elektromobile von Mercedes liegt nicht nur weit hinter den chinesischen Marken, sondern auch hinter dem Niveau der Haupt-Joint-Venture-Marken.
Doch Mercedes hat in den letzten zwei Jahren die Elektrifizierungsumstellung in China beschleunigt. Im September 2024 kündigte die Mercedes-Benz Group an, mit chinesischen Partnern in China mehr als 14 Milliarden Yuan zu investieren, um das lokale Produktportfolio von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen zu erweitern.
Nach dem Plan wird Beijing Benz ab 2025 neue Modelle auf der Grundlage der neuen Mercedes-Benz Modular Architecture (MMA) Plattform produzieren, einschließlich eines neuen reinen Elektromodells mit langer Radbasis CLA, das speziell für chinesische Kunden entwickelt wurde. Ein weiterer Schwerpunkt der Investition wird auf die lokale Forschung und Entwicklung sowie die Produktion des neuen Modells der langradigen GLE SUV für China gelegt. Das neue Modell der langradigen GLE SUV wird auch zum ersten Mal von einem chinesischen Team geleitet entwickelt werden.
Neue Strategie „In China for China“
Das Geschäft in China steht derzeit vor massiven Herausforderungen. Im Jahr 2025 sanken die Verkäufe in China um ca. 19-20 Prozent, was den Konzerngewinn fast halbierte. Doch China ist für Mercedes-Benz immer noch der größte Absatzmarkt, gefolgt von den Regionen Europa und Nordamerika. „Nach Corona sieht man, dass die Marktdynamik nicht ganz so ist, wie es sie 15, 20 Jahre lang war. Und das gepaart mit einer unglaublichen Wettbewerbsintensität. 100 Automobilfirmen buhlen um einen Markt, der vielleicht 30 bis 40 halten kann“, sagte Källenius in einem Interview der „Automobilwoche“.
Diesem Wettbewerb müsse man sich stellen. „Jetzt wollen wir ja nicht 100 Prozent des Marktes haben, sondern eben unseren Anteil. Und da ist es absolut möglich, mit der richtigen Produktstrategie und der richtigen Industrialisierungsstrategie das zu erhalten oder auch auszubauen. Um bei Kosten und Effizienz in der Entwicklung mitzuhalten, müsse Mercedes „chinesischer“ werden. „So nah an die 100 Prozent wie möglich. In China for China. Nur so kriegst du in dem Preisgefüge, wie sich das gerade jetzt darstellt, Wasser unterm Kiel.“ Die neue Strategie lautet „In China, for China“. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, plant CEO Ola Källenius, die Entwicklung noch stärker zu lokalisieren und Mercedes „chinesischer“ zu machen.
Links
Mercedes-Benz Group China Ltd., Beijing
September 2003. Neue Chinaprojekte von DaimlerChrysler
Mercedes-Chef „Die nächsten Jahre in China werden tough“
Fotos: Mercedes-Benz CEO Ola Källenius © Mercedes-Benz
Mercedes Benz auf der Auto China 2025 Shanghai und Werksberichtigung 1989 © Thomas Kiefer
ASIA MEDIA SERVICE, Dr. Thomas Kiefer
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