Peking 北京 – Sommerpalast

Der Neue Sommerpalast (Yiheyuan / 颐和园) in Peking ist das am besten erhaltene kaiserliche Gartenensemble der Welt und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die riesige Anlage im nordwestlichen Stadtbezirk Haidian diente den Kaisern der Qing-Dynastie als kühler Rückzugsort vor der Hitze der Verbotenen Stadt.

Highlights, die man nicht verpassen sollte

  • Der Kunming-See (Kunming Hu): Drei Viertel der gesamten Anlage bestehen aus Wasser. Eine Bootsfahrt über den See bietet einen fantastischen Panoramablick auf die Palastanlagen.
  • Der Lange Korridor (Changlang): Mit 728 Metern ist er der längste überdachte Wandelgang der Welt. Er ist mit über 14.000 kunstvollen traditionellen Wandgemälden verziert, die Szenen aus der chinesischen Mythologie und Literatur zeigen.
  • Der Berg des Langen Lebens (Longevity Hill): Auf dem Hügel thront der beeindruckende Turm des buddhistischen Weihrauchs (Foxiangge), das Wahrzeichen des Sommerpalasts. Von oben hat man eine spektakuläre Aussicht.
  • Die 17-Bogen-Brücke: Sie verbindet das Ufer mit der Nanhu-Insel und ist besonders zum Sonnenuntergang ein weltberühmtes Fotomotiv.

Zerstörung und Plünderung durch westliche Invasionsarmeen

Die Geschichte der Sommerpaläste in Peking ist von zwei großen Wellen der Zerstörung und Plünderung durch westliche Invasionsarmeen geprägt. Dabei muss historisch zwischen dem Alten Sommerpalast (Yuanmingyuan) und dem heute noch stehenden Neuen Sommerpalast (Yiheyuan) unterschieden werden – beide Anlagen wurden jedoch in den gleichen Konflikten schwer getroffen.


1. Die große Katastrophe von 1860 (Zweiter Opiumkrieg)

Im Oktober 1860 erreichten britische und französische Truppen während des Zweiten Opiumkriegs Peking.

  • Der Auslöser: Kurz zuvor hatte die Qing-Regierung eine britisch-französische Verhandlungsdelegation gefangen genommen. Mehrere Abgesandte wurden zu Tode gefoltert. Als direkte Vergeltungsmaßnahme und um den chinesischen Kaiser zutiefst zu demütigen, befahl der britische Hochkommissar Lord Elgin die systematische Zerstörung der kaiserlichen Residenzen.
  • Die Plünderung: Über mehrere Tage hinweg kam es zu einer der größten Kulturplünderungen der modernen Geschichte. Schätzungsweise über eine Million Kunstschätze – darunter unbezahlbare Jade-Objekte, Porzellan, Gold, Seide und die berühmten bronzenen Tierköpfe der kaiserlichen Wasseruhr – wurden von Soldaten geraubt. Viele dieser Kulturgüter befinden sich bis heute in europäischen Museen und Privatsammlungen.
  • Die Brandschatzung: Nach den Plünderungen brannten rund 3.500 britische Soldaten den gesamten Komplex nieder. Während der Alte Sommerpalast nahezu vollständig in Schutt und Asche gelegt wurde (er ist heute eine bewusste Ruinenlandschaft), erlitt auch der damals noch im Bau befindliche Vorläufer des Neuen Sommerpalasts massive Brandschäden.

2. Die zweite Zerstörung 1900 (Boxeraufstand)

Nachdem die Anlage ab 1885 unter der Führung der Kaiserinwitwe Cixi aufwendig wiederaufgebaut und offiziell in Yiheyuan (Neuer Sommerpalast) umbenannt worden war, folgte nur wenige Jahre später der nächste Schlag.

  • Der Konflikt: Während des Boxeraufstands im Jahr 1900 marschierten die Truppen der „Vereinigten acht Staaten“ (einschließlich des Deutschen Reiches, Großbritanniens, Frankreichs und Russlands) in Peking ein.
  • Erneute Verwüstung: Die Palastanlagen des Neuen Sommerpalasts wurden von den alliierten Truppen abermals besetzt, geplündert und schwer beschädigt. Viele der gerade erst restaurierten Pavillons und Kunstwerke fielen erneut Vandalismus und Feuern zum Opfer.

Die Anlagen heute

  • Der Neue Sommerpalast (Yiheyuan): Wurde nach 1902 und später in den 1950er Jahren umfassend restauriert. Er erstrahlt heute wieder in seiner vollen Pracht und steht stellvertretend für die kaiserliche Gartenkunst.
  • Der Alte Sommerpalast (Yuanmingyuan): Die dortigen europäischen Barock-Steinruinen wurden nicht wiederaufgebaut. Sie dienen heute als historisches Mahnmal gegen die koloniale Aggression und ausländische Invasion.

ASIA MEDIA SERVICE, Dr. Thomas Kiefer
Fotos: Georg Hassa / Thomas Kiefer

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