Schleswig-Holstein – Zhejiang

Interview mit Wang Yongchang, Bürgermeister der Stadt Shaoxing

F. Herr Bürgermeister Wang, welche besonderen Standortvorteile für ausländische Unternehmen bietet Shaoxing gegenüber den vielen anderen Standorten Chinas?

Bürgermeister Wang: Unser Landkreis ist der größte Textilproduzent in ganz China. Fast die Hälfte unserer Exporterlöse erzielen wir mit Textilien, insbesondere mit Synthetik. Unsere Oberbekleidung, Socken oder Krawatten sind weltbekannt und haben in China, aber auch weltweit einen hohen Marktanteil.

Zudem ist hier ein bedeutender Standort für die Herstellung von Medizin. Ein großer Teil des weltweit verkauften Vitamin E beispielsweise kommt aus Shaoxing. Die Medizinbranche möchten wir weiter ausbauen. Zur Zeit ist ein neuer Industriepark für Pharmaunternehmen im Bau.

Als dritte wichtige Branche möchte ich die Informationstechnik nennen. Bei der Produktion von Flachbildschirmen haben wir beispielsweise einen bedeutenden Marktanteil.

In unserem Kreis befinden sich viele leistungsfähige Privatunternehmer und Mittelständische Unternehmen. Etwa 2.000 dieser Firmen haben einen Jahresumsatz von über 5 Millionen RMB.

Besonders für diese in China neuen Unternehmen sehen wir gute Perspektiven und glänzende Expansionschancen. Nach einem schwierigen Anfang sind diese Firmen jetzt im besten Alter, die grundlegendsten Probleme sind gelöst. Diese jungen, aber bereits erfahrenen Unternehmen konzentrieren sich jetzt auf die qualitative Verbesserung ihrer Struktur und Produktion.

Die tausendjährige Tradition in unserem Kreis brachte einen besonderen Menschenschlag hervor. Hier werden keine Phrasen gedrescht, sondern ehrliche und handfeste Arbeit geleistet. Unsere Bürger strengen sich besonders stark an, um Erfolg im Beruf und Leben zu haben. Gleichzeitig blicken sie optimistisch und zuversichtlich in die Zukunft. Einen großen Wert legen wir auf gegenseitiges Vertrauen und auf Verlässlichkeit. Dies ist auch in unseren Unternehmen und den Geschäftsbeziehungen zu spüren.

F. Mit dem Bundesland Schleswig-Holstein unterhält die Provinz Zhejang eine Partnerschaft. Sehen Sie für die in Schleswig-Holstein wichtige Werftenindustrie, für Windkraftanlagen oder Medizintechnik besondere Chancen für Kooperationen?

Bürgermeister Wang: Von unserer Medizinbranche hatte ich bereits gesprochen. Zudem gibt es bei uns hervorragende Chemiker. Und da hier die Lebenshaltungskosten gegenüber dem benachbarten Shanghai um einiges niedriger liegen, ist der Lohn für Fachleute hier niedriger. Medizintechnik kann unsere Pharmabranche hervorragend ergänzen.
Windenergie hat bei uns keine Tradition und wir kennen uns damit nicht aus. Besonders im Westen Chinas dürfte diese Art der Energiegewinnung eine große Zukunft haben. Ob sich dies jedoch für unsere Provinz lohnt, müsste erst untersucht werden.

In der Werftenindustrie produzieren wir keine großen Ozeanriesen. Aber bei der Montage kleinerer Schiffe haben wir gute Erfahrungen und bauen leistungsfähige Schiffe. In unserer Provinz, welche jährlich über 50 Millionen Touristen besuchen, haben wir viele Flüsse und Seen. Daher sind wir besonders am Ausbau der Produktion von Touristenschiffen interessiert. Vielleicht könnten uns dabei erfahrene Werften aus Deutschland helfen.

Bürgermeister Wang Yongchang und Staatssekretär des Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Verkehr Schleswig-Holstein in Shaoxing

Interview und Fotos: Thomas Kiefer


ASIA MEDIA SERVICE, Dr. Thomas Kiefer