40 Jahre Städtepartnerschaft Hamburg-Shanghai

Hamburger Bürgermeister in Shanghai
Bald Direktflüge in die Partnerstadt?

„Die Chinesen haben Interesse an einer direkten Flugverbindung zwischen Hamburg und Shanghai. Das machte der Vizepräsident von China Eastern Airlines, Zhong Xiong, gestern in einem Gespräch mit Hamburgs Bürgermeister und dem Hamburger Flughafen-Geschäftsführer auf dem Airport von Shanghai deutlich. Vom Juni an wird China Eastern zunächst München anfliegen. „Dann ist Hamburg erste Wahl“, sagte Zhong . „Man muss auch etwas für die Entwicklung der beiden Partnerstädte tun.“ Der Hamburger Bürgermeister in diesem Bericht war Henning Voscherau.

„Zum zehnjährigen Bestehen der Partnerschaft ist Bürgermeister Voscherau mit einer großen Delegation in die 14-Millionen-Metropole an der chinesischen Ostküste gereist. Zu Beginn der Unterredung auf dem dortigen Flughafen haben Voscherau und Hauschild vor den chinesischen Luftfahrt-Managern die Standortvorteile Hamburgs mit seiner Vielzahl chinesischer Niederlassungen und die Modernisierung des Flughafens Fuhlsbüttel herausgestellt. Am Ende dankte der Bürgermeister dem China-Eastern-Vizepräsidenten für dessen „ermutigende Aussagen“ und kündigte an, bald mit dem Bundesverkehrsminister über eine Flugverbindung Shanghai-Hamburg zu sprechen,“ berichtete das „Hamburger Abendblatt“ am 24. Mai 1996.

40 Jahre Träume von einem Direktflug

Doch Hamburgs Bemühungen um einen Direktflug sind so alt wie die Städtepartnerschaft. In ihrer 1988 zu Beginn der Städtepartnerschaft von der Hamburger Handelskammer veröffentlichten Broschüre „Eine Brücke nach China. Vielseitige Verbindungen zwischen Hamburg und der Volksrepublik“ steht: „Peking ist im Flugverkehr von Hamburg aus 6 mal wöchentlich zu erreichen: Lufthansa fliegt 3 mal wöchentlich über Frankfurt am Main. Swiss Air 2-mal über Zürich und British Airways einmal wöchentlich über London. Darüber hinaus fliegt die chinesische CAC (Civil Aviation Administration of China) zweimal wöchentlich im Direktflug von der Bundesrepublik (Frankfurt/M.) nach Peking.“ Bei dieser Betrachtungsweise kann man sagen: Hamburg ist jetzt gut an China angebunden. Es gibt zwischen Europa und China zwischenzeitlich durchschnittlich rund 120 bis 130 tägliche Direktverbindungen im Passagierverkehr.

Fluggesellschaften fliegen, wenn sie genügend Nachfrage haben

Nur immer noch keine Direktflüge, die medienwirksam als Thema weit oben auf dem Programm jeder Chinareise Hamburger Bürgermeister stehen. Bei einem Gespräch des damaligen Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust 2007 mit seinem damaligen Shanghaier Amtskollegen Han Zheng bekam von Beust beim Thema Direktflug eine kleine Nachhilfe zur Marktwirtschaft. „Die Chinesische Fluggesellschaften sind unabhängige Firmen. Da können wir kaum in den Geschäftsbetrieb reinreden. Es ist einfach: wenn die genügend Fluggäste haben, fliegen sie. Wenn nicht, fliegen die nicht. Wir sollten unseren Austausch weiter intensivieren. Dann könnt es auch genügend Fluggäste geben,“ so Han.

Erst am 30. August 2011 startete die Fluggesellschaft China Eastern Airlines den ersten regulären Direktflug von Hamburg nach Shanghai-Pudong. Geflogen wurde die Route mit einem Airbus A330-200. Da die Auslastung auf Dauer weit hinter den Erwartungen zurückblieb, wurde die Verbindung im Frühjahr 2013 wieder eingestellt. Ein Grund dafür war, dass dies auch kein richtiger Direktflug war und die Maschinen einen Zwischenstopp in Frankfurt einlegten.

Flüge als Teil einer integrierten Infrastruktur

Viele Direktflüge hätte Hamburg zusammen Berlin erreichen können, wenn vor Jahrzehnten gemeinsam in Parchim nach der Wiedervereinigung ein neuer, gemeinsamer internationaler Flughafen gebaut worden wäre, erklärten Shanghaier Stadtplaner. In dem Projekt hätte der Flughafen gut mit einer neuen Hochgeschwindigkeitsline angefahren werden können. Er wäre damit von Hamburg und Berlin damit etwa in einer halben Stunde zu erreichen gewesen. Seitdem sind tausende Autobahnkilometer gebaut worden, aber die Schieneninfrastruktur wird immer mehr eines unserer schlimmsten Standortnachteile. Selbst der marokkanische Hochgeschwindigkeitszug Al Boraq erreicht im regulären Betrieb eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h.

Verwaltung effizienter machen

Das einiges in Argen liegt, dürfte zunehmend an unseren Verwaltungsstrukturen liegen. Die im Vergleich zu früher kleine Delegation bestand überwiegend aus Verwaltungs- oder Hochschulmitarbeitern. Selbst die Hamburger Handelskammer war nicht vertreten.

Die Leitung des Shanghaier Hamburgbüros war in den Tagen vor der Shanghaireise des Bürgermeisters mit der Delegation in Vietnam und nicht bei der Vorbereitung von Kontakten vor Ort. So bestanden die Programmpunkte überwiegend aus der Fortsetzung eher etablierter Partnerschaften. Ein Treffen mit Tschentschers Amtskollegen kam nicht zustande. Beim Hamburg-Empfang, Höhepunkt des Shanghai-Aufenthalts, konnte Tschentscher lediglich einen der derzeit sieben Vizebürgermeister begrüßen.

Fernab von Hamburg versucht das Hamburg-Büro sich gut zu verkaufen. Pressemeldungen liegen lange vor Delegationsbesuchen in der Schublade und beginnen meist mit „Große Erfolge“ oder ähnlich. Ansonsten liegt das Hamburg-Haus meist verweist und vergessen auf dem ehemaligen Expo-Gelände. Unternehmen aus Norddeutschland finden gute Unterstützung bei den großen deutschen Wirtschaftsorganisationen, wie die Außenhandelskammer Schanghai, die viele spezialisierte Experten für Fachfragen haben. Eine unabhängige Erfolgsanalyse der Chinapolitik Hamburgs wäre dringen erforderlich. Doch unsere Verwaltungen scheinen oft mit sich beschäftigt zu sein.

CHINA TIME 2026?

So ist es kaum verwunderlich, dass die engagierten Pläne vieler China-Akteure für eine CHINA TIME  Hamburg 2026 zum Städtepartnerschafts-Jubiläum weitgehend im Sande verliefen. Das gut etablierte Veranstaltungsformat umfasste in vergangenen Jahren oft über 100 Programmpunkte. Geplant ist jetzt lediglich am 9. November ein Senatsempfang zum Abschluss des Jubiläumsjahres im Hamburger Rathaus. Montags am frühen Nachmittag.

Dabei hätte Hamburg gute Chancen, seine Beziehungen zu China wirklich gut auszubauen und in einem Landport-Konzept insbesondere als nordeuropäische Exportdrehscheibe nach China zu fungieren. Auch der Landport ist ein integriertes Infrastruktur- und Wirtschaftskonzept, das nicht nur verschidene Verkehrsträger verkoppelt, sondern auch Wirtschaftsentwicklung und Wissenstransfer anregt. So etwas bringt gute Arbeitsplätze, sorgt für Steuereinnahmen und Wissenstransfer, passt jedoch kaum in eine Verwaltungsschublade.

Technische Universität Hamburg

Es ging in Shanghai eher um den Ausbau und die Weiterführung bestehender Kooperationen. Die Technische Universität Hamburg hat gemeinsam mit dem Feishu Institut ein Sister Lab in Shanghai eröffnet. Das neue Umweltreallabor knüpft an das CampusLab in Hamburg an und erweitert die internationale Zusammenarbeit im Rahmen des UNU Hubs „Engineering to Face Climate Change“. An beiden Standorten untersuchen Forschende und Studierende künftig Böden, Wasser und Klima unter unterschiedlichen Umweltbedingungen. Vernetzte Sensoren, digitale Technologien und künstliche Intelligenz ermöglichen gemeinsame Forschungsprojekte, Lehrveranstaltungen und den Austausch von Umweltdaten zwischen Deutschland und China.

Prof. Andreas Timm-Giel, Präsident der TU Hamburg: „Ich freue mich sehr, dass wir mit dem Sister Lab eine in Hamburg entwickelte Idee nun international weitertragen können. Herausforderungen wie Bodengesundheit, Wasserknappheit und Klimawandel betreffen uns weltweit. Gemeinsam mit unseren Partnern und unserem UNU Hub an der TUHH schaffen wir ein Netzwerk, in dem Forschung und Lehre über Grenzen hinweg technologische Lösungen voranbringen.“

Universitätsklinikum Eppendorf (UKE)

Tschentscher, der als Oberarzt und Privatdozent im Zentrum bzw. Diagnostikzentrum des UKE von 2008 bis zu seiner Ernennung zum Senator im März 2011 tätig war, konnte in Shanghai auch der Vertragsunterzeichnung zum Ausbau der Chinakooperationen seines früheren Arbeitgebers beiwohnen. Das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) und die Shanghai Universität für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) wollen bei zwei neuen Projekten zusammenarbeiten. Es geht um ein Medikament unter anderem gegen Corona und um weniger Nebenwirkungen für Krebspatienten in der Chemotherapie, berichtete der „NDR“.

Asien im Blickpunkt

Eine genaue Programmliste war zu der Reise nur schwer zu bekommen. Erst eine Woche Vietnam, dann eine Tagesvisite in Shanghai? rätselten manche. Das zeigt nicht die Kräfteverhältnisse, nicht das Kooperationspotential. Das stößt den wichtigsten Kunden des Hamburger Hafens vor den Kopf. „Vietnam als Alternative“, so ein Bericht der „Tagesschau“ über den langen Vietnamaufenthalt der Delegation.

Tschentscher möchte Beziehungen ausbauen

Kooperationen im technischen Bereich und insbesondere bei Umwelttechnologien, bei der China oft einen Entwicklungsvorsprung hat, standen nicht an. Der Bürgermeister plädierte jedoch eher entgegen dem Zeitgeist für einen Ausbau der Beziehungen insbesondere auch mit Shanghai. Tschentscher sagte, Shanghai sei eine Stadt, die sehr gut zu Hamburg passe – mit einem großen Hafen, der Weltoffenheit vermittele, und mit einem Innovationsgeist, der an Hamburg erinnere. Deutschland müsse aufpassen, nicht abgehängt zu werden. Es gebe keinen technologischen Vorsprung. Im Gegenteil: In der Robotik und bei Künstlicher Intelligenz (KI) gebe es viel von China zu lernen, so Tschentscher.

Chen Qiuyi: Menschen zusammenbringen

Delegationsteilnehmer Chen Qiuyi, Präsident der Hamburger Chinagesellschaft und Chef des beliebten Chinarestaurants im Hamburger Yu Garten, wies in einem NDR-Interview darauf hin, dass wir zwar in schwierigen Zeiten leben und die Chinabeziehungen nicht mehr so einfach wie vor einigen Jahren sind. „Aber auch diese Zeit wird irgendwann vorbeigehen. Gerade jetzt ist es für uns noch wichtiger die Menschen enger zusammen zu bringen“, so Chen.

15.10.2026, Besuch im Yu Garden

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