Automobilcluster Chongqing
Changan – Neue Konzernstruktur erleichtert Internationalisierung
Noch 2011 titelte der Spiegel zum ersten IAA-Messeauftritt von Changan: „Der einsamste Fahrzeughersteller auf der IAA“. Bereits zur nächsten IAA im Jahr 2013 stand der Konzern schon deutlich mehr im Mittelpunkt des Interesses der Fachwelt: „Changan läuft sich für den Weltmarkt warm. Dass zur Präsentation eines neuen Autos mehr gehört, als es einfach zu zeigen, haben die Chinesen bereits gelernt“, so das Nachrichtenmagazin diesmal.
Changan ist kein Messeneuling. Auf der IAA 2023 präsentierte die Elektroauto-Marke Avatr (ein Joint Venture von Changan und CATL) ihr zweites Modell. Der Avatr 12 ist eine rund fünf Meter lange, coupéartige Limousine, die der Designsprache des Avatr-Erstlingswerks folgt. Ursprünglich wurde die Marke Avatr übrigens 2018 von Changan und Nio gegründet, seinerzeit noch unter dem Namen „Changan Nio“. Changan übernahm jedoch später die Anteile von Nio vollständig.
Drei Marken und Produktionspläne für Europa
Changans Internationalisierung läuft schon seit Jahren. Bereits 2001 gründete Changan in Turin ein Designzentrum, in dem heute etwa 350 Designer arbeiten. Im britischen Birmingham betreibt der Konzern zudem ein Forschungs- und Entwicklungszentrum. Auf dem europäischen Markt startet das Unternehmen zunächst mit der Marke Deepal.
Changan plant bereits den Bau eines Werks in Europa, um seine künftigen Vertriebsaktivitäten auf dem Kontinent zu unterstützen, erklärte Nic Thomas, Changans europäischer Leiter für Marketing, Vertrieb und Service des staatlichen Unternehmens, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
„Wir sind entschlossen, in Europa präsent zu sein und in Europa für Europa zu produzieren“, so Thomas. Eine konkrete Zeitplanung für das Montagewerk konnte er zwar noch nicht nennen, sagte aber: „Wir sind überzeugt, dass wir die nötigen Absatzmengen erreichen werden, weshalb wir uns schon in der Planungsphase befinden.“ Die Produktion vor Ort soll helfen, die Auswirkungen der von der Europäischen Union verhängten Zölle auf in China gebaute Elektroautos abzufedern.
Bereits im Mai eröffnete Changan seine erste internationale NEV-Fabrik (New Energy Vehicle) in Rayong, Thailand. Die Eröffnung dieser Fabrik ist ein wichtiger Meilenstein im Rahmen des „Vast-Ocean-Plans“ von Changan für die globale Expansion. Dieser markiert eine strategische Verlagerung von der reinen Internationalisierung der Automarke hin zum Export kompletter Industriestrukturen, meldete das Unternehmen.
Changan kündigte an, noch im Laufe dieses Jahres mit Elektroautos in zehn europäische Märkte einzutreten. Das Unternehmen gehört weltweit zu den größeren Herstellern und belegte 2024 mit einem Absatz von rund 2,2 Millionen Fahrzeugen Platz 16. Im vergangenen Jahr verkaufte Changan rund 600.000 Fahrzeuge außerhalb Chinas. In diesem Jahr peilt das Unternehmen den Verkauf von einer Million Einheiten auf den internationalen Märkten an.
In Europa setzt Changan auf seine drei Hauptmarken Changan, Deepal und Avatr:
- Deepal: Eine E-Automarke, die Technik und Digitalisierung betont.
- Avatr: Eine Premiumlinie mit Fokus auf Design, Personalisierung und Erlebnis.
- Changan: Positioniert als klassische Familienmarke mit massentauglichem Anspruch.
Im Rahmen der Markteinführung in Europa konzentriert sich Changan zunächst auf die großen Märkte für Elektroautos wie Norwegen, Dänemark, Deutschland, die Niederlande und Großbritannien. Bis 2028 möchte der Konzern auf allen wichtigen europäischen Märkten präsent sein.
Was Changan in München während der IAA auf dem Königsplatz präsentiert, scheint noch nicht final festzustehen. Der Konzern dürfte intern noch mit seiner Umstrukturierung beschäftigt sein. Diese Neuordnung der Eigentümerstruktur zeigt sehr tiefgehend, wie Chinas staatliche Autokonzerne funktionieren, was die sogenannte sozialistische Marktwirtschaft bedeutet und wie konkret Chinas Industriepolitik umgesetzt wird. Daher soll dies hier etwas ausführlicher dargestellt werden. Diese Industriepolitik ist auch eng in die bevorzugte Entwicklung von Zentral- und Westchina eingebunden.
Automobilcluster Chongqing
Die zentralchinesische Metropole Chongqing – mit rund 32 Millionen Einwohnern die administrativ größte Stadt der Welt – hat in den vergangenen Jahren einen dynamischen Entwicklungssprung vollzogen. Sie möchte sich im Wettlauf mit den anderen chinesischen Provinzen als Hightech-Standort und als Produktionsbasis für grüne Industrien etablieren. Elektromobilität spielt dabei eine zentrale Rolle. Changan, Changan Ford, Changan Suzuki, Qingling Motors oder Weichai (Chongqing) Automotive sind dort die etablierten Hersteller. Doch nicht nur die großen ausländischen Hersteller, sondern auch die traditionellen Staatsunternehmen verlieren in China zunehmend Marktanteile.
Chongqing möchte daher gezielt ein führender Standort für die Produktion von Elektroautos und anderen Fahrzeugen mit neuen Energien (NEV) werden. Die Stadt verfügt über eine vollständige Wertschöpfungskette für die Automobilindustrie – von der Forschung und Entwicklung über die Produktion bis hin zum Vertrieb. Die Exporte sind im vergangenen Jahr stark gestiegen. Über direkte Schienenverbindungen und beschleunigte Zollabwicklungen können sowohl die zentralasiatischen Märkte als auch Europa schnell beliefert werden.
Wie auch andere Produktionsstandorte warb Chongqing intensiv um neue Automobilproduzenten, die eher aus Elektronikkonzernen entstanden sind und die Philosophie des „Smartphones auf Rädern“ verkörpern. Das Unternehmen Seres arbeitet dabei eng mit dem Batteriegiganten CATL zusammen. Aito, ehemals eine Submarke von Seres, gehört mittlerweile zu Huawei. Der Tech-Riese ist zudem an einer Reihe weiterer Autoprojekten landesweit beteiligt und stieg mit seiner Steuerungselektronik in kurzer Zeit zu einem der größten Zulieferer der Autobranche auf. Aito hat im vergangenen Jahr mit 151.000 ausgelieferten Fahrzeugen den Spitzenplatz bei den High-End-Autoverkäufen in China eingenommen. Damit hat die Marke traditionelle Größen wie BMW (145.000) und Mercedes-Benz (127.000) überholt, so die Daten der in Shanghai ansässigen Beratungsfirma ThinkerCar.
Mit diesen Ansiedlungen möchte die Stadtregierung ihre etablierten Autokonzerne durch direkten Wettbewerb vor dem Werkstor zu schnelleren Innovationen zwingen. Die neuen Marktteilnehmer bringen frische Technologien, agile Produktionskonzepte und moderne Unternehmensstrategien in die Region, von denen letztlich alle Akteure profitieren können. Chongqing schützt seine Staatsbetriebe also nicht durch Abschottung. Im Gegenteil: Durch die gezielte Ansiedlung von Technologieführern wächst der Innovationsdruck im gesamten Cluster.
Im ersten Halbjahr dieses Jahres erreichte die Automobilproduktion in Chongqing 1,2185 Millionen Einheiten, wobei die industrielle Wertschöpfung von Fahrzeugen mit alternativem Antrieb im Vergleich zum Vorjahr um 19,6 Prozent und die von Autoteilen und -zubehör um 11,5 Prozent zunahm. Darüber hinaus erreichten Chongqings Exporte von Elektrofahrzeugen im ersten Halbjahr dieses Jahres 5,55 Milliarden Yuan – ein Anstieg von 53,3 Prozent. Chongqing hat im Jahr 2024 etwa 8,5 Prozent zur gesamten chinesischen Automobilproduktion beigetragen, wobei Changan Automobile allein rund 40 Prozent davon ausmacht.
Changan wird zentrales Staatsunternehmen
Um diese Dynamik neuer Konkurrenten direkt in Changan einfließen zu lassen, musste sich die Unternehmensstruktur grundlegend ändern. Noch vor Kurzem spekulierten die Fachmedien über eine Fusion von Changan mit Dongfeng, womit dem größten Autokonzern der Welt der Weg geebnet worden wäre. Bei den Konzernen waren Umstrukturierungen bekannt geworden, die darauf schließen ließen, dass sich das Unternehmen eine neue Rechtsform geben würde. Doch es kam anders: Groß bedeutet nicht automatisch schnell und effektiv.
Die Umstrukturierung von Changan ist tiefgreifender. Der Konzern gehörte bislang zur China South Industries Group – einem Staatsunternehmen, in das die Volksbefreiungsarmee einst ihre vielfältigen industriellen Vermögenswerte eingebracht hatte. Früher betrieb die chinesische Armee unzählige Fabriken und finanzierte sich durch wirtschaftliche Aktivitäten selbst. Da dies die Struktur der staatlichen Autokonzerne grundlegend verändert, soll diese Umstrukturierung etwas ausführlicher aus Sicht chinesischer Medien dargestellt werden. Im Westen besteht manchmal noch die Vorstellung, dass die Staatsunternehmen zentral von Peking aus gesteuert werden. Doch es gibt mit der FAW Group und Dongfeng Motor lediglich zwei und jetzt mit Changan drei zentralstaatliche Autokonzerne. Insgesamt gibt es jetzt nur hundert zentralstaatliche Unternehmen, wobei diese jedoch viele Tochterunternehmen haben. Die anderen staatlichen Konzerne gehören Provinzen oder Stadtregierungen, die in Konkurrenz zueinander stehen.
Die China Changan Automobile Group mit Hauptsitz in Chongqing beschäftigt derzeit rund 110.000 Mitarbeiter. Nach der Neuausrichtung untersteht der Konzern als zentralisiertes Automobilunternehmen direkt der State-owned Assets Supervision and Administration Commission (SASAC) und steht damit auf gleicher Ebene wie die China North Industries Group Corporation. Der ursprüngliche Kernkomponenten-Bereich („Old Changan“) wurde in „Chenzhi Automotive Technology Group Co., Ltd.“ umbenannt. Das gesamte Fahrzeuggeschäft sowie das Zulieferergeschäft wurden in das neu gegründete zentralisierte Automobilunternehmen integriert, das nun über 117 Niederlassungen und Tochtergesellschaften (darunter fünf börsennotierte Unternehmen) verfügt. Die Aktivitäten umfassen die gesamte Wertschöpfungskette einschließlich kompletter Fahrzeuge, Teile, Automobilverkauf, Finanzen, Logistikdienstleistungen sowie Motorräder.
Im ersten Halbjahr 2025 erzielte die Gruppe einen Betriebsumsatz von 146,9 Milliarden Yuan und verkaufte 1,355 Millionen Fahrzeuge – ein Achtjahreshoch. Davon waren 452.000 Fahrzeuge mit alternativem Antrieb (ein Anstieg von 49,1 Prozent), und 299.000 Fahrzeuge wurden im Ausland verkauft. Die Ziele des Unternehmens für das Gesamtjahr sind ein Gesamtabsatz von drei Millionen Fahrzeugen, eine Million Fahrzeuge mit alternativem Antrieb und ein Umsatz von 355 Milliarden Yuan, so Zhu Huarong, Sekretär des Parteikomitees und Vorsitzender der China Changan Automobile Group Co., Ltd., auf der Pressekonferenz nach der Ankündigung der Unternehmens-Umstrukturierung.
Changan Automobile hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 ein Produktions- und Verkaufsvolumen von fünf Millionen Fahrzeugen zu erreichen. Dabei sollen über 60 Prozent der Fahrzeuge mit alternativen Antrieben und über 30 Prozent Auslandsverkäufe ausmachen. Ziel ist es, eine der zehn größten Automobilmarken weltweit und eine Weltklassemarke zu werden.
Angesichts der neuen Ausrichtung möchte das neue Changan den Entwicklungspfad „Fünf neue Changan“ einschlagen:
- Die neue Mission schultern.
- An der neuen Strategie festhalten.
- Neue Autos entwickeln.
- Eine neue Ökologie aufbauen.
- Neue Dienste entwickeln.
Im Hinblick auf technologische Durchbrüche wird das Unternehmen die Forschung und Entwicklung von Kerntechnologien wie „Tianshu Intelligent Driving“ und „Golden Bell Battery“ intensivieren und in zukunftsweisende Bereiche wie fliegende Autos und vertikale KI-Modelle expandieren. In den nächsten zehn Jahren plant das Unternehmen, über 200 Milliarden Yuan in Forschung und Entwicklung zu investieren. Im Hinblick auf die Entwicklung des Ökosystems wird das Unternehmen mit Partnern wie Haier zusammenarbeiten, um in neue Geschäftsmodelle wie autonomes Fahren und intelligente Logistik zu expandieren und ein neues Ökosystem „entwicklungsfähiger intelligenter Fahrzeuge und Roboter“ zu schaffen.
Mit Avatr, Deepal und Qiyuan als Kernmarken baut das Unternehmen eine umfassende Produktlinie für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben auf und will innerhalb von fünf Jahren über 50 neue Modelle auf den Markt bringen. Avatr konzentriert sich auf „hohe Ästhetik, hohe Intelligenz und hohen Wert“, um sich als weltweit führende Marke für intelligente Luxus-Elektrofahrzeuge zu etablieren. Deepal Auto zielt auf den Mainstream-Markt für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben der mittleren bis oberen Preisklasse und bietet eine technologisch fortschrittliche Sportmarke mit rein elektrischen Modellen und Modellen mit erweiterter Reichweite zu Preisen zwischen 150.000 und 300.000 Yuan für junge Nutzer weltweit.
New Changan
Bei der Pressekonferenz wurde der Deepal L06, das erste neue Modell des soeben gegründeten Staatsunternehmens, vorgestellt, ausgestattet mit dem weltweit ersten 3-nm-Cockpit-Chip in Automobilqualität. Diese fortschrittliche Hardwareleistung bietet nicht nur eine solide Rechengrundlage für Multi-Screen-Interaktion, hochpräzise Spracherkennung und KI-basierte, szenariobasierte Dienste, sondern lässt auch reichlich Leistungsspielraum für komplexere Anwendungen wie AR-HUD und soziale Netzwerke im Auto. Mit diesem Debüt erfolgt die Massenproduktion von 3-nm-Chips ein bis zwei Jahre früher als bei anderen Automobilherstellern, was dazu beiträgt, die Intelligenzfähigkeiten der chinesischen NEV-Branche auf ein neues Niveau zu heben.
Zhu erklärte auf der Pressekonferenz, dass Changan als neues staatliches Unternehmen darauf abzielen werde, einen Automobilkonzern von Weltklasse mit globaler Wettbewerbsfähigkeit und unabhängigen Kerntechnologien aufzubauen und als ein noch stärkerer Konzern zum Aufbau Chinas zu einem starken Automobilland beizutragen. Für Changan Automobile ist diese Änderung keine einfache Namensänderung, sondern ein wichtiges Symbol für die tiefgreifende Anpassung der Struktur der chinesischen Automobilindustrie und spiegelt den strategischen Umbau des nationalen Branchenführers wider, betonen chinesische Medien.
Mit seinem neuen Status als zentrales Staatsunternehmen steht China Changan vor einem deutlichen Sprung in seiner Ressourcenintegrationskapazität. Als zentrales Automobilunternehmen, das direkt von der State-owned Assets Supervision and Administration Commission (SASAC) verwaltet wird, profitiert Changan von noch stärkerer politischer Unterstützung und Ressourcenzuteilung.
Dem Plan zufolge wird das eingetragene Kapital von New Changan 20 Milliarden Yuan erreichen, das Vermögen wird 300 Milliarden Yuan übersteigen, und die jährlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung werden auf 8 Milliarden Yuan erhöht. Diese Zahlen liegen weit über dem bisherigen Niveau als Tochtergesellschaft der North Industries Group Corporation. Gleichzeitig ermöglicht Changans Status als zentrales Unternehmen, sich direkt mit nationalen strategischen Ressourcen zu verbinden und besondere Unterstützung in Schlüsseltechnologiebereichen wie intelligenter Vernetzung und neuer Energie zu erhalten.
In Bezug auf Entscheidungseffizienz und Marktreaktionsfähigkeit stützte sich Changan als Tochtergesellschaft bisher auf einen dualen Entscheidungsprozess, an dem sowohl die China North Industries Group Corporation als auch die SASAC beteiligt waren. Dieser wurde nun zu einer Managementstruktur gestrafft, die direkt der SASAC unterstellt ist. Diese Änderung hat den Entscheidungsprozess und die Projektgenehmigungszeiten verkürzt und die Reaktionsfähigkeit des Unternehmens in dem sich ständig verändernden Markt deutlich verbessert.
Darüber hinaus bietet Changans Status als zentrales Staatsunternehmen ein umfassenderes Compliance-System und einen Risikomanagementmechanismus für die Expansion ins Ausland. Insbesondere im aktuellen komplexen internationalen Umfeld können die institutionellen Vorteile staatlicher Unternehmen Changan dabei helfen, Herausforderungen wie Handelsbarrieren und technologische Blockaden besser zu bewältigen und so seine „Going Global“-Strategie zu sichern.
Changans Umwandlung in ein Zentralunternehmen unterscheidet sich grundlegend von einer traditionellen Verstaatlichung. Es handelt sich um eine marktorientierte Transformation, durch die eine moderne Unternehmensreform erreicht werden soll. Das neue Changan wird einen flexiblen, marktorientierten Betriebsmechanismus beibehalten und gleichzeitig starke Unterstützung aus nationalen strategischen Ressourcen erhalten. Dieses einzigartige Modell der „Kombination aus Zentralunternehmensstatus und Marktmechanismen“ wird zu einem neuen Paradigma für die Reform der chinesischen Automobilindustrie werden.
Changan ist nicht nur das dritte zentralstaatliche Automobilunternehmen, sondern auch das 100. zentralstaatliche Unternehmen insgesamt, das direkt von der Kommission zur Überwachung und Verwaltung staatlicher Vermögenswerte des Staatsrats verwaltet wird. Auf der entsprechenden Liste belegt es den 73. Platz. Sein eingetragenes Kapital von 20 Milliarden Yuan übertrifft die 15,6 Milliarden Yuan der Dongfeng Group und wird nur von den 35,4 Milliarden Yuan der FAW Group übertroffen.
Was ist der Hintergrund dieser Umstrukturierung? Als tragende Industrie der chinesischen Volkswirtschaft durchläuft die Automobilbranche im Zuge der Umstellung auf Elektrifizierung und intelligentere Technologien innerhalb der zentralen Staatsunternehmen (SOEs) rasche Reformen. Ziel ist es, die globale Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Automobilindustrie zu stärken. Die Gründung von New Changan könnte im Wesentlichen eine angebotsseitige Reform sein, die auf der Strategie „Intelligent Manufacturing Powerhouse“ basiert.
Im Jahr 2024 wurden in China insgesamt rund 31,3 Millionen Fahrzeuge produziert und verkauft. Davon entfielen etwa 12,9 Millionen Einheiten auf Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Dies entspricht einem Anstieg von rund 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit produziert und verkauft China bereits das zehnte Jahr in Folge weltweit die meisten Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Der Verkauf von NEVs macht 40,9 Prozent des gesamten chinesischen Neuwagenabsatzes aus.
Vergangenes Jahr erklärte Zhang Yuzhuo, Direktor der SASAC, auf dem ersten „Ministerkanal“ der zweiten Sitzung des 14. Nationalen Volkskongresses öffentlich, dass „staatliche Unternehmen für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben sich nicht schnell genug entwickeln“ und „nicht so gut sind wie Tesla und BYD“. Daher werden die Richtlinien angepasst, um separate Bewertungen der NEV-Sparte zentraler Automobilunternehmen durchzuführen.
Im Januar dieses Jahres erklärte Zhang Yunming, Vizeminister des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie, auf einer Pressekonferenz, dass gezielte Maßnahmen ergriffen würden, um eine qualitativ hochwertige Entwicklung zu fördern und die gute Dynamik der Branche aufrechterzuhalten. Dazu gehöre die Untersuchung und Umsetzung des Gruppenmanagements von Fahrzeugherstellern sowie die Unterstützung vorteilhafter Unternehmen bei der Verbesserung von Qualität und Effizienz. Da die jährliche Verbreitung von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben bei fast 50 Prozent liegt, benötigt die Zentralregierung ein neues staatliches Unternehmen, das die Automobillandschaft der neuen Ära prägen kann.
Changan wurde auch ausgewählt, um die Entwicklung Zentralchinas zu fördern. Es ist das erste Unternehmen der Metropole unter zentralstaatlicher Verwaltung. Als eine der wichtigsten Automobilproduktionsregionen Chinas hat sich Chongqing in den letzten Jahren der Entwicklung eines modernen Fertigungsclusters verschrieben. Insbesondere Changan hat sich der umfassenden Entwicklung der Automobilindustrie in Chongqing verschrieben und zahlreiche weltweit führende Batterie- und Chiplieferanten zur Ansiedlung von Fabriken in der Region bewegt.
Nach der Gründung von New Changan werden die globalen Innovationsressourcen auf einem höheren Niveau effizient gebündelt. Die dort eingerichteten nationalen Plattformen, wie das National Key Laboratory of Intelligent Vehicle Safety Technology, entwickeln sich für Chongqing zu einem Magneten für Spitzentechnologie und Spitzenforscher. Gleichzeitig schließt Changan in Chongqing die Lücke der Zentralunternehmen im Südwesten. Einerseits trägt es zum BIP bei, andererseits fördert es die Anwerbung hochqualifizierter Fachkräfte und verbessert die Kontrolle über die Industriekette.
Auch aus anderer Perspektive ist die Neustrukturierung ein erheblicher Vorteil für Changan. Der Vorgänger von Changan Automobile ging 1862 aus dem Shanghaier Artilleriebüro hervor und blickt auf eine Tradition zurück, die 163 Jahre reicht. 1984 reagierte Changan aktiv auf den Aufruf des Zentralkomitees der Partei zum „Übergang vom Militär zum Zivilen“ und startete sein erstes Projekt in der Automobilindustrie. Das Unternehmen wuchs stetig und entwickelte sich zu einem wichtigen Akteur.
Heute erlebt Changan eine weitere Modernisierung. „Der neuen Gruppe steht eine riesige Welt bevor, und ich sehe darin zahlreiche Möglichkeiten. Früher hatte Changan nur sehr begrenzte Ressourcen, doch jetzt habe ich plötzlich das Gefühl, über einen unerschöpflichen Vorrat zu verfügen“, erklärte Zhu.
Aus Sicht der industriellen Entwicklung kann New Changan die nationalen strategischen Anforderungen von oben erfüllen und eine effiziente Unternehmenszusammenarbeit sowie den Aufbau gemeinsamen Plattformen rund um die strategischen Schwerpunkte neue Energie, Intelligenz und Globalisierung fördern. Es dient als Vorbild für die Optimierung des Layouts der industriellen Kette und stärkt die Widerstandsfähigkeit der Zulieferer.
Vor der Gründung von New Changan basierte Changan hauptsächlich auf Changan Automobile mit den drei neuen Energiemarken Changan Qiyuan, Deepal Auto und Avatr. Diese Struktur wird sich zunächst nicht grundlegend ändern. „Vom Moment an, als die drei neuen Marken eingeführt wurden, haben wir so viel Organisationsstruktur, Fertigung, Logistik, Beschaffung und Markenbildung wie möglich gemeinsam genutzt“, sagte Tan Benhong, stellvertretender Sekretär des Parteikomitees der China Changan Automobile Group. „Die drei Untermarken haben jeweils eine klare Positionierung und Zielgruppe.“
Changan Qiyuan
Changan Qiyuan positioniert sich weiterhin als „intelligenter mobiler Lifestyler“, der sich an durchschnittliche Familiennutzer richtet und Produkte anbietet, die mehrere Lebensszenarien integrieren, hinsichtlich Raumfunktionen, intelligentem Komfort, Ausdauer und Energieauffüllung überzeugen und dabei äußerst kosteneffizient sind. Im ersten Halbjahr dieses Jahres erreichte der Gesamtabsatz von Changan Qiyuan 160.000 Fahrzeuge, ein Anstieg von 22,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der im April eingeführte Changan Qiyuan Q07 war zwei Monate in Folge der meistverkaufte mittelgroße NEV-SUV unter 200.000 Yuan.
Ye Pei, Executive Vice President von Changan Automobile, erklärte, dass Changan Qiyuan nach der Gründung der neuen Gruppe „einen weltweiten Absatz von über einer Million Fahrzeugen im Jahr 2027 und von 1,8 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2030 anstreben wird. Darüber hinaus müssen wir neben den Größenvorteilen auch die Rentabilität erreichen.“
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ASIA MEDIA SERVICE, Dr. Thomas Kiefer
Foto: Changan

