Automobilcluster Zhejiang
Leapmotor
Leapmotor, IAA München 2025
Open Space, Ludwigstraße, Stand LS420„
„Leapmotor – die Autos gehen weg wie warme Semmeln.“ – „Die Verkaufsziele für 2025 sind bereits jetzt erfüllt.“ Dies sind zwei der vielen Schlagzeilen des chinesischen Newcomers. Laut Daten von Caixin führte Leapmotor im ersten Halbjahr 2025 die Verkaufszahlen im chinesischen EV-Markt an. Der Autokonzern aus Hangzhou lieferte 221.664 Fahrzeuge aus – mehr als doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. „China-Speed“ zeigt sich auch bei der Internationalisierung: Nach offiziellen Angaben von Leapmotor überstiegen die kumulierten Exporte von Januar bis Mai 2025 bereits 17.200 Fahrzeuge. Damit belegte die Marke den ersten Platz unter Chinas neuen Automobilherstellern. Im April des vergangenen Jahres gründeten Leapmotor und Stellantis gemeinsam Leapmotor International.
Das Joint Venture entwickelte sich zu einer treibenden Kraft für die Expansion ins Ausland. Es verhalf dem Unternehmen dazu, seine Markteinführung in neun europäischen Ländern innerhalb weniger Monate abzuschließen und schnell in den asiatisch-pazifischen Raum, den Nahen Osten, Afrika und Südamerika vorzudringen. Seit Juni dieses Jahres verfügt Leapmotor weltweit über mehr als 1.500 Filialen, davon über 600 im Ausland, wie das Unternehmen meldete.
Das gelingt nur mit starken Partnern. Im Oktober 2023 wurde das Joint Venture Leapmotor International mit Stellantis ins Leben gerufen. Stellantis investierte 1,5 Milliarden Euro in Leapmotor. An dem Joint Venture hält Leapmotor 49 Prozent und Stellantis 51 Prozent. Die Kooperation soll eine typische Win-win-Situation sein: Stellantis bekommt über Leapmotor Zugang zu smarter Elektromobilität sowie neuen Produktionsmethoden des Technologieführers China, und von den stark steigenden Verkaufszahlen profitieren beide Konzerne.
Dabei ist Leapmotor gerade einmal zehn Jahre alt. Das Unternehmen wurde 2015 von dem Elektronikingenieur Zhu Jiangming gegründet, der auch Mitgründer der chinesischen Dahua Technology ist. Der Sitz von Leapmotor ist Hangzhou. Die Aktien des Unternehmens werden an der Hong Kong Stock Exchange notiert. Der Name des Unternehmens leitet sich vom englischen Wort leap (deutsch „Sprung“) ab.
Erfolgreicher Marktstart in Deutschland
Im Mai und Juni wurden mehr als 1.000 Leapmotor-Fahrzeuge in Deutschland neu zugelassen. Damit rückte die Marke in die Top 3 der chinesischen Automobilhersteller in Deutschland vor. Auch den Privatkundenanteil von rund 70 Prozent hebt Leapmotor hervor. „Diese Erfolge belegen die Tatsache, dass Leapmotor auf einen gesunden Vertriebskanal-Mix setzt und ein nachhaltiges Businessmodell umsetzt“, so eine Unternehmensmeldung.
„Unser übergeordnetes Ziel ist nachhaltiges und profitables Wachstum. Dabei haben wir gerade im zweiten Quartal einen großen Schritt nach vorne gemacht“, sagt Leapmotor-Deutschland-Chef Martin Resch mit Blick auf die erste Halbjahresbilanz 2025. Die Auftragseingänge liegen ebenfalls über Plan, sodass die Dynamik in der zweiten Jahreshälfte weiter Fahrt aufnehmen werde. „Unsere tollen Produkte, die für ein herausragendes Preis-Leistungs-Verhältnis stehen, und unser stark gewachsenes und professionelles Händlernetz werden uns hierbei helfen“, erklärt Resch.
Aktuell hat Leapmotor in Deutschland bereits mehr als 100 Vertriebsstandorte, womit die Marke beim Ausbau des Händlernetzes deutlich schneller vorangekommen ist als geplant. „Ein gut ausgebautes Partnernetzwerk ist gerade für eine weniger bekannte Marke ein echtes Asset, von dem wir zunehmend profitieren werden. Schon am Jahresende soll jeder Leapmotor-Interessierte in Deutschland in weniger als 25 Minuten bei einem Händler sein können“, so Resch.
Mit Blick auf die kommenden Monate erwartet der chinesische E-Fahrzeug-Hersteller spürbare Impulse von der laufenden Modelloffensive. So ist das Flaggschiff C10 gerade in der Version mit Range-Extender in den deutschen Handel gerollt, und das Kompakt-SUV B10 wird ebenfalls noch in diesem Jahr seinen Marktstart feiern. Auf der IAA Mobility in München plant Leapmotor zudem, eine weitere Weltneuheit zu präsentieren. Das erste Modell von Leapmotor in Deutschland war der T03, der für weniger als 20.000 Euro angeboten wird.
Leapmotor auf der IAA München
Noch hält sich der Konzern etwas bedeckt, was in München zu sehen sein wird. Doch dürfte der Messeauftritt spannend werden. „Unser Auftritt auf der IAA Mobility 2025 in München bestätigt die langfristige Strategie unserer Marke und die Schlüsselrolle, die der europäische Markt dabei spielt. Die globale Expansion ist weiterhin eines unserer Kernziele – und Europa steht dabei ganz oben auf unserer Agenda. Das gilt natürlich auch für Deutschland als größten Automobilmarkt des Kontinents. Unsere Geschichte der internationalen Expansion der Marke Leapmotor ist hier gestartet, und sie wird auf der IAA Mobility 2025 ein neues Kapitel schreiben“, sagte Zhu Jiangming, globaler CEO der Marke Leapmotor.
Leapmotor International CEO Xin Tianshu erklärte: „Wir sind seit einigen Monaten in Europa aktiv und haben bereits viele wichtige Meilensteine erreicht. Ein weiterer davon ist unsere erneute Teilnahme an der IAA Mobility, auf die wir uns sehr freuen. In München vor Ort zu sein, wird uns helfen, unseren europäischen Kundinnen und Kunden noch näher zu kommen.“
Produktionscluster Zhejiang
Hangzhou, die Hauptstadt der chinesischen Provinz Zhejiang, ist eine Hightech-Metropole mit Konzernen wie Alibaba oder DeepSeek. Hier haben nicht nur Leapmotor, sondern auch der Autoriese Geely und viele Zulieferer ihren Hauptsitz. In der Provinz betreiben zudem zahlreiche Automobilzulieferer Fabriken und beliefern von dort aus auch die Produktionskonzerne im benachbarten Shanghai.
Es ist faszinierend zu sehen, wie diese Hightech-Umgebung die Entwicklung smarter Elektromobilität beflügelt. Auch der Gründer von Leapmotor, der Elektronikingenieur Zhu Jiangming, denkt das Auto eher als großes Smartphone auf Rädern. Schließlich hatte er vor seinen Unternehmensgründungen jahrelang bei Motorola gearbeitet.
Das KI-Programm DeepSeek hatte die Tech-Welt in Aufruhr versetzt. Die Heimatstadt des Start-ups will davon profitieren und sich an die Spitze der aufstigenden KI-Metropolen setzen. Start-ups wie „Die sechs kleinen Drachen von Hangzhou“ prägen die Unternehmenslandschaft. Zu diesen sechs Drachen gehört neben DeepSeek der Robotik-Hersteller Unitree Robotics, der kürzlich mit seinem äußerst agilen Roboterhund „B2-W“ für Aufsehen sorgte. Da ist des Weiteren der Robotik-Hersteller Yun Shen Chu, dessen Roboter bereits in Singapur Infrastruktur-Tunnel inspizieren. Hinzu kommt BrainCo mit seiner weltweit führenden „Brain-Computer-Interface“-Technologie, die unter anderem Menschen mit Behinderungen helfen kann. Da ist ferner Qunhe mit seinen innovativen Cloud-Produkten und seiner 3D-Plattform. Und nicht zuletzt Game Science, das mit seinem kreativen Videospiel „Black Myth: Wukong“ in kurzer Zeit einen Milliardenumsatz erzielt hat. Diese sechs Firmen sind dabei nur einige Beispiele von vielen.
Der technologische Aufstieg von Hangzhou ist keine spontane oder zufällige Entwicklung. Die Unterstützung durch staatliche Förderprogramme sowie steuerliche Anreize seitens der Lokalregierung haben das Wachstum der Start-ups seit Jahren geduldig genährt. Das 2010 von der Stadtregierung von Hangzhou lancierte „Project Eagle“ fördert gezielt vielversprechende Start-ups im Bereich Wissenschaft und Technologie. Unter anderem vernetzt es sie mit Inkubatoren, Investoren und Forschungsinstituten, so Chinakenner Henrik Bork.
Manche Bezirksregierungen in Hangzhou, wie die des Bezirks Binjiang, wo Unitree angesiedelt ist, geben im Jahr etwa 15 Prozent ihres gesamten Budgets für die Förderung von Hightech-Unternehmen aus, berichtete der chinesische Sender CCTV. Der „Future Industries Development Plan (2025 bis 2026)“ der Stadt Hangzhou priorisiert Zukunftstechnologien wie künstliche Intelligenz, humanoide Roboter und synthetische Biologie. Mit solchen strategischen Initiativen will sich Hangzhou eigenen Zielvorgaben zufolge bis 2026 als ein national führendes Zentrum für KI und die damit konvergierenden Industrien etablieren.
Modernste Infrastruktur ist ein Schlüssel zum Erfolg
Zudem glänzt Hangzhou mit einer hervorragend ausgebauten Infrastruktur. Ob Bahnhof, Flughafen oder Straßennetz – alles ist hochmodern und auf Weltklasse-Niveau. Tech-affine junge Rückkehrer von Universitäten aus den USA oder Europa fühlen sich hier sichtlich wohl; die Dynamik der Stadt ist ansteckend. Die „Sechs kleinen Drachen“, der neue Stolz der chinesischen Tech-Community, und ihre Förderer in den städtischen Behörden veranschaulichen die typisch chinesische Symbiose aus privatem Unternehmertum sowie strategischer Förderung durch Staat und Universitäten. Genau diese Verflechtung macht chinesische Technologie-Cluster so fruchtbar für Innovationen und Start-ups, so Bork. So funktioniert Industriepolitik in China: Ausschlaggebend sind nicht allein hohe finanzielle Mittel, sondern eine ausgefeilte, ergebnisorientierte Organisation, die offen für neue Ideen ist.
Viele dieser Neuentwicklungen können auch für smarte Elektrofahrzeuge genutzt werden. Die Wege sind kurz, das nächste Start-up sitzt direkt um die Ecke. Viele Ideen machen im informellen Plausch schnell die Runde. Die neuen Stadtviertel sind dabei nicht nur für die Hightech-Elite ein beliebtes Umfeld, sondern auch gezielt auf selbstfahrenden Autoverkehr und Vernetzung ausgelegt. Hier drehen bereits autonome Audis ganz ohne Fahrer ihre Runden.
In Hangzhou ist deutlich zu sehen: Zollschranken und Handelsboykotte können den weltweiten Aufstieg der chinesischen Autobranche nicht verhindern. Doch mit Kooperationen lässt sich gewinnen – das zeigt nicht zuletzt das Joint Venture mit Stellantis.
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ASIA MEDIA SERVICE, Dr. Thomas Kiefer
Foto: Leapmotor auf der Auto Shanghai © Leapmotor

