Automobilcluster Guangdong
BYD – Verkäufe in Deutschland stiegen um 390 Prozent
Open Space Königsplatz KP140
Open Space Odeonsplatz OP360
Open Space Königsplatz TD100
Im Unterschied zu vielen anderen chinesischen Automarken ist BYD in Europa bereits bekannt. Die Geschichte des Chemikers Wang Chuanfu, der BYD 1995 als kleine Fabrik mit nur 20 Mitarbeitern gründete, ist schon oft erzählt worden. Heute ist BYD der größte Elektrofahrzeug-Hersteller der Welt, der drittgrößte Batterieproduzent, im Zuliefergeschäft aktiv und stellt zudem eigene Elektronik sowie Mikrochips her.
„BYD-Schock“, „Riesige Halden unverkaufter Autos“, aber auch: „BYD startet durch“, „BYD-Absatz geht durch die Decke“ – so lauteten die Schlagzeilen der vergangenen Woche. Medien titeln gern extrem. Der Konzern aus Shenzhen hat sicherlich, wie übrigens auch deutsche Autokonzerne, mit Überkapazitäten zu kämpfen. Der Marktstart in Europa verlief nicht zuletzt wegen der hohen Schutzzölle zunächst schleppend. Doch chinesische Konzerne lernen schnell aus Krisen und passen ihre Marketingstrategien rasant an. Dabei verfügt BYD über eine einmalige Substanz.
Das Firmengeflecht zeichnet sich durch eine extrem hohe vertikale Integration aus. Diese reicht bis tief in die eigene Rohstoffkette hinein, was dem Unternehmen eine enorme Wettbewerbsfähigkeit ermöglicht. Dadurch ist BYD kaum mit herkömmlichen Automobilproduzenten vergleichbar. In dem neuen BYD-Werk in Zhengzhou, das zur größten Autofabrik der Welt werden könnte, wird eine hauseigene Wertschöpfung von 100 Prozent angestrebt. BYD möchte möglichst alle Komponenten direkt im riesigen Werkskomplex selbst herstellen.
Die BYD Company Limited ist einer der weltweit größten Produzenten von Akkumulatoren, vor allem für die Elektromobilität, für stationäre Batteriespeicher und für Mobiltelefone. Darüber hinaus ist der Konzern im Elektronikgeschäft aktiv. Insgesamt beschäftigt BYD über 100.000 Entwickler. Dadurch können technologische Fortschritte, die beispielsweise in der Batterieforschung erzielt werden, extrem schnell in die Fahrzeugproduktion einfließen.
Das Tochterunternehmen BYD Auto Company gehört zu den größten Automobilproduzenten Chinas und ist zum größten Elektroautokonzern der Welt aufgestiegen. Bereits im vierten Quartal 2023 konnte BYD mehr reine Elektroautos ausliefern als Tesla. Neben China betreibt BYD Werke in den USA, Brasilien, Japan und Indien; der Bau einer europäischen Fabrik in Ungarn wurde im Dezember 2023 angekündigt.
Bereits 2010 wurde BYD vom US-amerikanischen Wirtschaftsmagazin Bloomberg Businessweek zum leistungsfähigsten Technologieunternehmen der Welt gewählt. Nach dem Fortune-Global-500-Ranking hat BYD mittlerweile den Konkurrenten Tesla überholt. Die jährlich vom Magazin Fortune veröffentlichte Liste umfasst die 500 umsatzstärksten Unternehmen weltweit und basiert auf den Geschäftszahlen des jeweils vorangegangenen Jahres. BYD kletterte dabei um 52 Plätze auf Rang 91, während Tesla auf Platz 106 landete.
Die Premium- und Luxusmarken: Denza, Fang Cheng Bao und Yangwang
Shenzhen Denza New Energy Automotive Co. Ltd., kurz Denza, ist eine Oberklassenmarke von BYD. Ursprünglich als Joint Venture unter dem Namen Shenzhen BYD Daimler New Technology Co. Ltd. gegründet, hat BYD inzwischen die Kapitalmehrheit übernommen. Die Stuttgarter Mercedes-Benz Group ist nur noch mit 10 Prozent beteiligt. Weitere Premium- und Luxusmarken des Konzerns sind Fang Cheng Bao und Yangwang.
„Unser Plan ist es, Yangwang nach Europa zu bringen“, erklärte BYD-Vizepräsidentin Stella Li gegenüber dem Magazin Autocar. Dies soll im Anschluss an den bevorstehenden Marktstart von Denza erfolgen. Li nannte konkret das SUV U8 und den Supersportwagen U9 als vorgesehene Modelle für Europa und stellte zudem weitere Fahrzeuge in Aussicht, darunter die Luxuslimousine U7 Super-Saloon. Diese Limousine soll mit 1.250 PS in gerade einmal 2,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen.
Exporte sollen sich verdoppeln
Im vergangenen Jahr verkaufte BYD rund 430.000 Autos im Ausland, was etwa einem Zehntel des Gesamtabsatzes entsprach. Allein im ersten Halbjahr 2025 übertraf das Unternehmen diese Zahlen bereits deutlich. Der Konzern ist damit fest auf Kurs, wie geplant mehr als 800.000 Fahrzeuge in den internationalen Märkten abzusetzen.
Zu Medienberichten, wonach BYD große Halden unverkäuflicher Autos aufbaue, entgegneten Unternehmenssprecher, dass es sich hierbei überwiegend um Logistikvorläufe handle. Da die für den Export bestimmten Fahrzeuge wochenlang auf Transportschiffen unterwegs seien, erhöhe sich statistisch die Anzahl der nicht ausgelieferten Fahrzeuge. Berücksichtige man diese Transportzeiten, liege der Zeitraum von der Produktion bis zum schlussendlichen Verkauf absolut im üblichen Rahmen.
Absatzboom in Europa und neue DACH-Zentrale
In Europa verzeichnet BYD regional bereits echte Boom-Phasen und konnte beispielsweise seine Zulassungszahlen in Großbritannien vervielfachen. Auch in Deutschland steigerte BYD seine Verkaufszahlen im Jahresvergleich zeitweise um fast 390 Prozent, während die Konkurrenz wie Tesla deutliche Rückschläge hinnehmen musste, wie CNBC berichtet.
Um diesem Wachstum Struktur zu geben, bezieht BYD eine neue DACH-Zentrale im Bürokomplex „GROW“ in Offenbach am Kaiserlei. Auf über 5,000 Quadratmetern entstehen dort neben modernen Arbeitsplätzen auch großzügige Ausstellungsflächen. Weitere Showrooms werden bundesweit im Händlernetzwerk aufgebaut.
BYD auf der IAA Mobility
In München feiert der chinesische Automobilhersteller die Europapremiere des Seal U, dem SUV-Ableger der E-Limousine Seal. Das Modell wird in zwei Batterie-Versionen mit Lithium-Eisenphosphat-Zellchemie (LFP) auf den Markt kommen: mit 71,8 kWh Kapazität für eine Reichweite von 420 Kilometern sowie mit 87 kWh Kapazität für bis zu 500 Kilometer nach WLTP-Standard. BYD erweitert damit sein europäisches Elektroauto-Angebot um ein sechstes Modell, nachdem bereits die Modelle Atto 3, Han und Tang eingeführt wurden und die Kompaktmodelle Dolphin sowie die Limousine Seal das Portfolio ergänzen.
Während der Seal vor allem durch seine sportliche Note punkten soll, setzt das fünfsitzige SUV Seal U auf Vielseitigkeit, Komfort und Geräumigkeit. Wie die Geschwistermodelle basiert auch der Seal U auf der von BYD selbst entwickelten E-Plattform 3.0, welche die extrem robuste „Blade-Batterie“ nutzt.
Zudem präsentiert BYD auf der Messe die wegweisende Cell-to-Body-Technologie (CTB), die beim Seal zum Einsatz kommt. Dabei übernimmt der Deckel des Batteriegehäuses gleichzeitig die Funktion des Karosseriebodens, was Platz spart und die Verwindungssteifigkeit erhöht. Des Weiteren wird das System iTAC (Intelligent Torque Adaption Control) gezeigt, das durch eine blitzschnelle, Drehmomentverteilung an den Rädern für spürbar mehr Stabilität und Sicherheit sorgt.
Erstmals in Europa zeigt BYD auf der Ausstellungsfläche zudem die Premiummarke Denza. Das Highlight hierbei ist der Denza D9, eine im absoluten Luxussegment angesiedelte Großraumlimousine mit sieben Sitzplätzen.
Es bleibt spannend zu sehen, wie BYD seine Vertriebs- und Europastrategie weiter zuspitzt. Dass der Konzern seit seinen ersten Messeauftritten extrem schnell dazugelernt hat, zeigen die dynamisch wachsenden Absatzzahlen.
Links
BYD
BYD Deutschland
BYD feiert auf IAA MOBILITY Europapremiere des SEAL U und des Denza D9
BYD verkaufte im Juli 344.296 Fahrzeuge mit neuer Energie und steigerte damit seinen Gesamtabsatz auf über 13 Millionen
BYD überholt Tesla erstmals im Fortune Global 500-Ranking
Diese zwei Länder in Europa erleben einen BYD-Boom – Deutschland ist eines davon
BYD wählt Offenbach für neue Deutschland-Zentrale
ASIA MEDIA SERVICE, Dr. Thomas Kiefer
Foto: BYD auf der Auto Shanghai 2025 © Thomas Kiefer

