Wiege der chinesischen Kultur
Der Name Hebei ist aus hé (河 – „Fluss“) und běi (北 – „Norden“) zusammengesetzt. Er bedeutet „nördlich des Flusses“ und bezieht sich auf die geografische Lage der Region nördlich des Gelben Flusses (Huáng Hé). Das Provinzgebiet umschließt die beiden Megastädte Peking und Tianjin, die jedoch als regierungsunmittelbare Städte administrativ nicht zu Hebei gehören. Die Provinz umfasst eine Fläche von 187.700 km² und zählt eine Bevölkerung von rund 74,6 Millionen Einwohnern.
Bergland macht etwa 35 % der Fläche aus, Hochebenen nehmen 12 % ein, während die Tiefebenen, das Hügelland sowie die Becken insgesamt rund 50 % ausmachen. Entlang der nördlichen Grenze zieht sich das Yan-Gebirge (Yanshan), dessen Gipfel Höhen von über 1.000 Metern erreichen. Hier befindet sich am östlichen Ende der Großen Mauer der strategisch bedeutende Shanhaiguan-Pass (Shanhai-Pass), der historisch als Schlüsselstellung galt und als „Erster Pass unter dem Himmel“ (天下第一关) berühmt wurde.
Im Nordwesten liegt die Zhangbei-Hochebene, die einen Teil des Plateaus der Inneren Mongolei bildet und überwiegend aus ausgedehntem Weideland besteht. An der Westgrenze zur Nachbarprovinz Shanxi verläuft das Taihang-Gebirge (Taihangshan). An dessen nördlichem Rand erhebt sich der Berg Xiaowutai (小五台山, Xiǎowǔtái Shān), der mit einer Höhe von 2.882 Metern der höchste Gipfel der Provinz ist.
Eine Geschichte von 450.000 Jahren
Die Ebenen von Hebei waren vor rund 450.000 Jahren die Heimat des Peking-Menschen, einer Unterart des Homo erectus. Auf dem Gebiet Hebeis finden sich sehr alte archäologische Spuren früher, organisierter menschlicher Gemeinschaften. An der Fundstätte Nanzhuangtou wurden im Jahr 1986 Beweise für frühen Hirseanbau (Kolben- und Sorghumhirse) entdeckt, deren Alter auf ungefähr 10.000 bis 10.500 Jahre geschätzt wird. Der Fundort Cishan (Stadt Wu’an) wurde namensgebend für die gleichnamige neolithische Cishan-Kultur (ca. 5400 bis 5100 v. Chr.). Hebei war zusammen mit den heutigen Provinzen Henan, Shanxi und Shandong ein zentrales Kernland der altchinesischen Shang-Dynastie (etwa 1750–1100 v. Chr.). Während der geschichtsträchtigen Zeit der Streitenden Reiche (475 bis 221 v. Chr.) gehörte der Norden Hebeis zum Staat Yan, während der Süden unter den Staaten Zhongshan, Zhao und Wei aufgeteilt war.
Während der Tang-Dynastie (618–907 n. Chr.) wurde eine feste Verwaltungsgrenze am Gelben Fluss gezogen, womit der Ursprung des Provinznamens „Hebei“ formell begründet wurde. Die mongolische Yuan-Dynastie (1271–1368) unterstellte Hebei später direkt der kaiserlichen Hauptstadt Dadu (dem heutigen Peking).
Während der späten Ming-Dynastie machte sich der Gelehrte Xu Guangqi um die Förderung des Nassreisanbaus in Hebei verdient. Die dadurch verbesserte Ernährungslage machte die massive Bevölkerungsexpansion während der nachfolgenden Qing-Zeit erst möglich. Unter der Qing-Dynastie (1644–1911) hieß die Provinz Zhili (直隸) und wurde von einem mächtigen Vizekönig (Zhílì zǒngdū) regiert, der ab 1730 seinen festen Sitz in der Stadt Baoding hatte.
Nach der Xinhai-Revolution von 1911 war Zhili die Heimatprovinz verschiedener Generäle der einflussreichen Beiyang-Regierung. Im Zuge der nationalen Konsolidierung Chinas unter der Kuomintang im Jahr 1928 erhielt die Provinz schließlich ihren heutigen Namen Hebei zurück. Nach der Besetzung der Mandschurei im Jahr 1931 wurde Hebei zu einer politisch instabilen Pufferzone gegenüber den von Japan kontrollierten nördlichen Nachbarprovinzen Rehe und Chahar. Im Jahr 1935 setzte die japanische Besatzungsmacht in Tongzhou einen kollaborierenden „Autonomen Militärrat von Ost-Hebei“ ein. Nach dem geschichtsträchtigen Tongzhou-Zwischenfall im Jahr 1937 besetzten japanische Truppen Hebei und Peking bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 vollständig.
Neugliederung nach Gründung der Volksrepublik China
Im Rahmen der administrativen Neugliederung nach der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 wurde Hebei sukzessive durch Gebietsangliederungen vergrößert. Im Jahr 1952 kamen im Norden wichtige Areale der aufgelösten Provinz Chahar hinzu. 1956 wurde Hebei bei der Auflösung der Provinz Rehe um die Stadt Chengde und acht weitere Kreise erweitert. Zudem gewann die Provinz strategisch wichtige Küstengebiete, darunter die historische Passstadt Shanhaiguan, hinzu.
Links
Provinzregierung Hebei
Hebei Wikipedia
ASIA MEDIA SERVICE, Dr. Thomas Kiefer
Foto: Hebei Chengde © Georg Hassa

